Freitag, 30. Oktober 2009

#11 Leben und Tod

Wir haben ja alle gewusst, dass es sehr wahrscheinlich passieren wird, aber es ist trotzdem seltsam und traurig, dass es jetzt wirklich passiert ist.
Vor 2 Tagen ist eine der Omas aus unserem Altenheim gestorben. Es ist wirklich ein komisches Gefühl, weil wir einfach noch einen Tag vorher mit ihr geredet haben. Von jetzt auf gleich ging es ihr schlechter, sie musste ins Krankenhaus und am nächsten Tag hab wir erfahren, dass sie gestorben ist. Sie wurde dann hier in die Kirche gebracht, damit ihre Familie und auch die anderen Bewohner sie noch einmal sehen können. Elsa ist auch nochmal zu ihr gegangen, aber mir war es ehrlich gesagt lieber, sie so in Erinnerung zu behalten, wie ich sie hier jeden Tag gesehen habe.
Es ist unglaublich, wie schnell man die Leute hier ins Herz schließt. Oft fangen sie einfach von selbst an uns ihr ganzes Leben zu erzählen. Man merkt, dass sie jemanden brauchen, mit dem sie reden können, weil teilweise die Familien nie zu Besuch kommen, oder sie gar keine Familie mehr haben.
Momentan geht es hier ziemlich vielen nicht gut. Ich glaube, dass der "Winter" allen ziemlich zu schaffen macht. Jeden Tag gibt es andere, die auf ihrem Zimmer essen und nicht mehr runter kommen. Sogar ich merke inzwischen, dass hier haufenweise Bakterien in der Luft hängen, seit 2 Tagen laufe ich nur noch mit Schal durch die Gegend und bin fleißig am Tee trinken...

Auf der anderen Seite gibt es hier aber auch schöne Momente. Heute morgen kam einer der alten Herren hier breit grinsend zum Frühstück und hat stolz erzählt, dass er heute Nacht Opa geworden ist. "Sono nonno" hat er alle 2 Minuten gesagt und allen bereitwillig erzählt, wie groß und wie schwer sein Enkel ist. Besonders stolz war er, dass der kleine "bambino" genauso heißt wie er: Matheo. Von den anderen gab es einen rießen Applaus und haufenweise Glückwünsche, sogar eine Durchsage wurde gemacht um ihm zu gratulieren.

Uns gehts aber eigentlich gut, inzwischen haben wir hier einige Leute kennen gelernt, mit denen wir viel unternehmen. Mit Teresa, eine der letzen italienischen Freiwilligen, und Maria gehe ich jetzt HipHop tanzen :) Also hier ist einiges los.

Ci vediamo

Mittwoch, 21. Oktober 2009

#10 Ein Hupen - viele Bedeutungen

Nicht nur die typischen Vorurteile behaupten es, auch der Alltag in Italien zeigt: Italiener sind musikalisch veranlagt. Zumindest was das tägliche Hupkonzert auf Siziliens Straßen betrifft.
Dabei kann jeder aus einem einzigen Hupen seine eigene, individuelle Botschaft lesen.

Wahlweise könnte es bedeuten:
- "Eeeeeeeeey stronzo, faaaaaaaaaaaaaaaaahr doch endlich"
- "Was wird das da vorne eigentlich wenns fertig ist?"
- "Hey, dich kenn ich doch, wie gehts dir?"
- "Ich bin da, du kannst runter kommen"
- "Fahr deine blöde macchina da vorne weg"
- "Heeeeeey Schnecke"
- "Stop! Ich fahr vor dir."
- "Achtung, ich komme!"

Im Vergleich zu Deutschland, ist das Straßenkonzert hier also um einiges farbenfroher ;)

Bis bald

Freitag, 9. Oktober 2009

#9 Ereignisreiche zwei Wochen

Vor zwei Wochen war es endlich so weit: die Warterei hatte ein Ende und Philipp hat die Besuchersaison in Vittoria eröffnet.
Auch wenn wir zugegebener Maßen viel gefaulenzt haben, konnte man uns zwischendurch als fleißige Paparazzi auf Kulturtrip finden.

Gleich an einem der ersten Tage waren wir zusammen mit Francesca, Sergio, Arturo und Anhängsel "cozze" essen. Wir Deutschen haben natürlich erst mal das Gesicht verzogen, verständlich bei dem Wort, bis und erklärt wurde, dass "cozze" Muscheln sind - und die waren extrem lecker!

Zusammen mit Elsa sind Philipp und ich ein paar Tage später nach Ragusa Ibla gefahren - viele Kurven, draufgängerische Busfahrer und unbequeme Bussitze beschreiben die Fahrt ganz gut ;)

Ragusa Ibla ist die Altstadt von Ragusa und recht klein im Vergleich zu anderen sehenswerten Stadtteilen, die es hier gibt. Alles wichtige findet man in der Nähe des Doms. Auch wenn so mancher Kulturbanause nicht so richtig für die typisch italienischen bzw. südländischen, verwinkelten Gassen zu begeistern war, habe ich am Ende meinen Stadtrundgang bekommen. Und ich fand es toll!



Das Beste an dem Tag war trotzdem das Eis! Dort gibt es eine Eisdiele, in der man Weineis kaufen kann, muss man auf jeden Fall mal probieren( auch wenn dort so ziemlich jede Sorte unglaublich gut schmeckt).

Nach kurzer Touripause gings nach Modica. Nachdem wir dort schon kurz waren, als wir nach Portopalo gefahren sind, habe ich eine extrem schöne Stadt erwartet. Schön ist die Stadt, keien Frage, aber man läuft die ganze Zeit an der Hauptstraße entlang, was auf Dauer ein bisschen nervig ist.

Trotzdem wars ein schöner Nachmittag!

Das absolute Highlight war allerdings der Ätna. Nach knapp 3 Stunden Fahrt( unter anderem durch den extrem chaotischen Verkehr von Catania), sind wir an der Talstation der "Funivia" angekommen. "Funivia" ist die Gondel, mit der man die ersten paar hundert Meter des Ätna hinter sich bringen kann. Trotz komplett überteuerter Preise und umzingelt von haufenweise Deutschen, sind wir dann nach oben gefahren. Weil wir nicht ganz faul sein wollten, haben wir auf eine Tour im Geländewagen verzichtet( wäre bestimmt auch um einiges langweiliger gewesen) und sind den Berg zu Fuß hoch gewandert/ geklettert/ gerutscht.

Die Aussicht dort oben ist der Hammer, vor allem weil wir richtig gutes Wetter hatten und bis ins Tal runter schauen konnten.

Ganz komisch war, dass man schon nach kurzen zurückgelegten Strecken das Gefühl hatte, dass alles ganz schnell kleiner wird. Und dort oben ist es still, das war unglaublich. Wenn nicht gerade einer der Busse vorbei fährt, hört man wirklich nichts.



Wir sind zwar nicht auf den höchsten Gipfel des Ätnas gewandert, ich bin mir nicht mal sicher, ob man dort hoch kann, aber auf den zweithöchsten Punkt haben wir uns bzw. wahrscheinlich eher ich mich gequält.

Es hat sich wirklich gelohnt diesen Ausflug zu machen, ein super schöner Tag kann ich da nur sagen!

Leider sind die zwei Wochen viel zu schnell vorbei gegangen und jetzt muss ich erst mal wieder bis Weihnachten durcharbeiten.

Was man auch noch erzählen sollte: nach einigen Problemen mit unserer norwegischen Freiwilligen hier, fährt sie am Sonntag wieder zurück nach Hause( was glaub ich für alle besser ist). Wir werden dieses Jahr also zu 4. bzw. zu 3.( wenn Elsa in Pachino ist) bleiben.

Das wars erst mal wieder, ci vediamo a Natale :)

Und zum Schluss noch "salut" an Elsas Mama.