Dienstag, 25. August 2009

#4 Die erste Woche

Es gibt wieder Neues aus Nordafrika/ Italien oder auch einfach nur Sizilien:

Eine Woche sind wir jetzt hier und ich muss gestehen, dass ich nicht das Gefühl habe eine Woche hier zu sein. Auf der einen Seite ist die Woche so unglaublich schnell vorbei gegangen, auf der anderen Seite habe ich das Gefühl schon ewig hier zu sein.

Inzwischen waren wir an einem unserer freien Tage am Meer :) der Strand hier ist super, gar nicht so dreckig wie viele sagen. Ein langer Sandstrand mit ziemlich klarem Wasser. Von einer Abkühlung im Meer kann aber keine Rede sein, das Wasser hat Badewannentemperatur. Teresa, eine der italienischen Freiwilligen hier hat uns mit nach Scoglitti genommen und musste uns( was uns wirklich peinlich war) auch wieder nach Hause fahren, weil wir die Sache mit dem Bus verplant haben.


Das der Bus nicht immer so fährt wie es auf dem Plan steht, haben wir am Sonntag erlebt. Lia, eine die hier arbeitet hat uns zur Bushaltestelle gefahren, dort haben wir dann gewartet, und gewartet, und gewartet, aber es kam kein Bus. Also sind wir in der Mittagshitze wieder nach Hause gelaufen.

Schon nach dieser einen Woche haben wir hautnah erlebt, wie es ist auf Sizilien zu sein. Die Dusche funktioniert zu bestimmten Zeiten überhaupt nicht, also dann, wenn alle duschen und die Küche Wasser zum spülen braucht. Aber auch zu allen anderen Zeiten klappt das mit der Dusche nur, wenn die Dusche gerade Lust hat zu funktionieren. Wir hoffen, dass wir im Winter warmes Wasser haben, momentan duschen wir nämlich eiskalt( ist aber noch ganz angenehm bei den Temperaturen hier).

Die Arbeit macht immernoch Spaß, inzwischen wissen wir was wir machen müssen, aber es kommen trotzdem jeden Tag neue Aufgaben dazu.

Die "bevanda" - den Wagen mit den Getränken müssen wir zweimal am Tag durch die "Casa di Riposo" schieben, damit die Leute genug zu trinken bekommen. Dann helfen wir jeden Tag beim Tisch abräumen bzw. decken und dabei den Speisesaal sauber zu halten.

Gestern hab ich mit Kathi den Eingangsbereich des Treppenhauses geputzt und das war auch wirklich nötig. Wir dachten nicht, dass es so anstrengend wird, aber am Ende vom Tag waren wir total kaputt.

Heute morgen war ich mit Teresa und einer alten Frau hier aus dem Altenheim im Krankenhaus, weil die Frau eine Kontrolluntersuchung hatte. Und ja, ich bin in Italien! Im Auto kann man sich nur vorne anschnallen und im Krankenhaus benutzt jeder sein Handy, obwohl das eigentlich nicht erlaubt ist. Der Schwiegersohn der Frau, die wir ins Krankenhaus gebracht haben, meinte nur: "wir sind in Italien, das Leben hier ist ein Spiel, man kann machen wozu man Lust hat." Ich finde das trifft die ganze Sache ziemlich gut.

Der Nachmittag war heute super unterhaltsam. Wir haben Antonella bei der Animation geholfen, auf dem Programm stand heute Musik hören. Bei den meisten Programmpunkten sitzen die alten Leute nur um sie rum und schauen zu, das finden wir alle ein bisschen schade, vielleicht lässt sich das im Laufe des Jahres noch ändern. Heute, als die Musik kam, haben aber einige angefangen zu tanzen, es war richtig schön zu sehen, wie einige wieder zum Leben erwachen und tanzen oder singen, wenn sie Musik hören.

Das Italienisch macht auch jeden Tag Fortschritte, viele glauben uns inwischen nicht mehr, dass wir erst seit einem Monat Italienisch sprechen bzw. sprechen lernen. Da ist man schon irgendwie stolz auf das, was man schon gelernt hat. Und wenns mal nicht klappt, hat man ja auch noch Hände und Füße.

Gestern haben wir auch endlich Giovanna, die Direktorin hier kennengelernt. Bis jetzt scheint sie genau so nett und hilfsbereit zu sein wie alle anderen hier auch. Sie meinte nur, dass mein Zimmer eigentlich ihr gehört, weil sie teilweise länger arbeitet und dann nicht mehr nach Hause fährt. David hat uns allerdings am Anfang gesagt wir können das Zimmer benutzen, ich bin gespannt, wie wir das jetzt regeln.

Geregelt werden muss hier sowieso noch einiges, wir haben immernoch keinen festen Arbeitsplan und die freien Tage schweben auch mehr oder weniger in der Luft. Ich denke, dass wir das alles klären, wenn Anfang September die anderen Freiwilligen aus Ungarn und Norwegen kommen. Weil wir die ersten Freiwilligen hier sind, müssen wir, denke ich, auch noch viele Sachen selbst in die Hand nehmen, aber das war bis jetzt noch kein Problem.

Mir gehts auf jeden Fall gut hier, ich habe mich noch nicht an Pizza, Pasta & Co überfressen( die Küche hier ist super) und die Blicke der Italiener haben uns auch noch nicht aufgefressen.

Heute Abend wollen wir mal in den Sportkeller, dort gibt es ein Laufband( joggen in freier Wildbahn ist hier ziemlich unklug, weil überall chaotischer Verkehr ist) und irgendein anderes Gerät für die Mukkis.

Das soll erst mal wieder reichen, für Rechtschreibfehler übernehme ich keine Haftung ;) ich merke nämlich selbst, dass sich die immer öfter einschleichen... Grausam, wenn man keinen Deutschlehrer mehr hat, der einen verbessert....

Ci vediamo presto

Donnerstag, 20. August 2009

#3 Der erste "Arbeitstag"

Ciao ragazzi,

nachdem wir hier ja ständig w-lan haben, kann ich auch öfter mal berichten was wir hier machen.
Heute Morgen sind wir erst mal einkaufen gegangen, damit wir mit allem möglichen Schnickschnack ausgerüstet sind. Auf dem Weg zum Supermarkt haben wir dann gleich mal hautnah gespürt, was David meinte, als er gesagt hat, dass wir angestarrt werden. Teilweise sind die echt dreist hier, manche Männer stellen sich demonstrativ in die Tür, damit wir sie auch auf jeden Fall sehen. Einer kam uns ein bisschen zu nahe, da sind wir uns aber nicht sicher, ob er behindert war oder nicht.
Auf jeden Fall haben wir dann erst mal einen kleinen Dorfsupermarkt unsicher gemacht, die Hälfte gabs dort nicht und das, was es gab, war total überteuert. Wir habens aber geschafft uns mit dem nötigsten einzudecken.

Heute Mittag haben wir dann in der Küche geholfen. Wobei Küche relativ ist, Kathi und ich haben Benino( oder so ähnlich ;)), einem der Zivis, geholfen die Tische abzuräumen und sauber zu machen. War extrem lustig, weil ein paar von den Omis und Opis noch mit uns reden wollten, wir aber kein Sizilianisch verstehen, also musste Benino ständig übersetzen. Im Endeffekt haben alle gesagt, dass wir ja alle so hübsch sind und eine Oma meinte sie hat sich in mich verliebt. Die sind so goldig alle.
Und weil wir mittags noch nie am Meer waren, hat der Zivi gleich gemeint, dass er uns morgen mit nach Scoglitti nimmt.
In Scoglitti sind hier momentan alle, weil hier auch Ferien sind und die Strände wirklich schön sind.
Vorgestern hat uns die stellvertretende Direktorin mit dort hin genommen, weil ihr Sohn mit seiner Band dort in einer Strandbar ein Konzert gegeben hat. War super! Nur ziemlich kalt, weil wir nicht wussten, dass es am Strand ist und keiner eine Jacke dabei hatte.
Es ist unglaublich, wie bemüht hier alle sind, dass es uns gut geht und dass wir uns wohl fühlen.

Gegen Abend haben Kathi und ich dann ein paar von den Bewohnern hier animiert einen Film zu schauen, das ist gar nicht so einfach, wenn man noch nicht viel sagen kann und die alten Leute nicht versteht.

Jetzt werden wir uns erst mal gemütlich hier ins Wohnzimmer setzen und hoffen, dass unsere Hauskakerlake nicht wieder kommt... sonst haben wir ab jetzt irgendwelche Chemikalien, die hoffentlich helfen...

So viel bis hier hin, lass was von euch hören wies euch geht und was zuhause los ist. Wir hören inzwischen auch deutschen Radio übers Internet, ist ganz schön ein bisschen was von Zuhause zu haben. Daher wissen wir auch, dass es in Deutschland wohl fast genauso warm ist wie hier...

Alora, ich freue mich über Post, Mails und Kommentare...

Montag, 17. August 2009

#2 In Vittoria angekommen

Buona sera a tutti,

wir habens endlich geschafft - wir sind angekommen!
Nach 22 Std Fahrt sind wir endlich auf Sizilien. Gestern Mittag um 14Uhr sind wir in Bobbio losgefahren und um 17Uhr ist unser Zug in Torino Porta Nuova abgefahren.
Blöd war, dass unsere Gruppe über den ganzen Zug verteilt war, also die Palermitianer saßen weiter vorne und wir anderen im letzen Wagen, weil sich der Zug in Messina getrennt hat. Wir hatten es uns alle viel ungemütlicher vorgestellt in so einem Schlafwagen. Das Gepäck haben wir extrem reinquetschen müssen, aber sonst war alles super. Zwischendurch ist man halt immer wieder aufgewacht, wenn der Zug irgendwo gehalten hat. Krass war, dass ein paar von uns Geld aus dem Abteil geklaut wurde, während sie geschlafen haben, das hat die Zugfahrt ein bisschen getrübt.
Heute Mittag sind wir dann um halb 1 in Syracusa angekommen. Kaum hat man die Tür vom Zug aufgemacht kam einem eine Hitzefront entgegen. Unglaublich wie heißt es hier ist.
David, der Pfarrer von hier ist super nett, als erstes sind wir zum Mägges gefahren( wie treffend er die Vorurteile über Amerikaner erfüllt), danach durften wir 2 Std im Auto schwitzen.
Die Umgebung hier sieht Afrika schon schwer ähnlich, größtenteils Wüste mit ein paar Büschen dazwischen. Man merkt auch an den Häusern, dass wir jetzt in einer ärmeren Region sind.
Unsere Wohnung passt da so gar nicht dazu. Wir wohnen quasi über dem Altersheim in einer rießen großen Wohnung. Jeder von uns hat ein eigenes Zimmer und die Zimmer sind vergleichbar mit meinem in Deutschland, also wer schon mal mein Zimmer gesehen hat weiß, dass das keine normale Größe ist. Die Wände sind auch abartig hoch. Etwas kahl siehts hier noch aus, aber das werden wir in den nächsten Tagen und Wochen ändern.
Morgen wird erst mal der ganze Papierkram erledigt, damit wir uns hier eine Handykarte usw. zulegen können.
Später wollen wir mal noch Vittoria erkunden, mal schauen was es hier so alles zu sehen gibt.
Großartig bewegen will sich hier aber noch niemand, weil es so unglaublich warm ist.
Glücklicherweise haben wir in unserer Wohnung Internet, ich werde also öfter zu erreichen sein.

Also bis jetzt gehts mir gut, ich bin gut angekommen, ich leb noch und bin mit allem zufrieden. Wenn ich weiß, was genau ich hier machen werde meld ich mich wieder!

Bis bald meine Lieben,
Ciao

Mittwoch, 12. August 2009

#1 Sprach- und Kulturkurs im Piemont



Ciao ragazzi,

so langsam freunde ich mich auch mit meinem Blog an, soll heißen, dass ich ab und zu mal berichten werde wie es sich so lebt in Bella Italia.

Die letzen zweieinhalb Wochen bin ich jetzt schon hier in Bobbio Pellice, einem kleinen Dorf im Piemont. Die ganze Umgebung sieht aus, als hätte man sie aus einem Katalog geklaut, traumhafte Berge, super schöne Städtchen( bzw. Dörfchen) und die meiste Zeit ein super Wetter.

Momentan sind wir noch 10 Deutsche, die versuchen des Italienischen mächtig zu werden. Richtig gut klappt das noch bei keinem, aber ganz langsam fangen wir alle an die Italienier um uns rum mit unserem holprigen Italienisch zuzuquatschen.
Unterricht haben wir immer Vormittags, wobei man sagen muss, dass ein großer Teil des Unterrichts aus der berühmt berüchtigten "pausa" besteht, die niemals kürzer als 45Minuten dauert.

Die Nachmittage sind fast immer mit Kulturprogramm gefüllt. Kulturprogramm ist hier fast alles, teilweise haben wir uns Kirchen oder andere Einrichtungen der Waldenserkirche angeschaut, weil das ja unsere Partnerorganisation bzw. -kirche hier in Italien ist. An anderen Tagen sitezn wir mit unseren "Betreuern" zusammen und diskutieren über alle möglichen Themen die es über Italien zu diskutieren gibt.

Uns allen kommt es noch gar nicht so vor, als wären wir hier schon drei Wochen, die Zeit geht so schnell vorbei. Die Leute in unserer Gruppe sind so verschieden und trotzdem verstehen wir uns alle super, wir haben rund um die Uhr Halligalli - was aber auch recht anstrengend sein kann.
Inzwischen freu ich mich wirklich auf ein eigenes Zimmer, in dem nicht 5 Koffer mittendrin stehen( ihr wollt wirklich nicht wissen wie unser Zimmer im Moment aussieht) und wo ich meine Sachen in einen Schrank räumen kann.


Es ist unglaublich, wie sich hier alle bemühen uns bei Laune zu halten, heute waren wir mit unserem Italienischlehrer und ein paar Freunden von ihm am Fluss. Mehr als 20 Leute wurden dafür in 3 kleine italienische Autos gestapelt, grundsätzlich wurde sich erst mal nicht angeschnallt, dann natürlich viel zu schnell den Berg hochgefahren und vor den Kurven mal kurz gehupt, damit der Gegenverkehr weiß, dass jemand kommt. Die Badestelle war aber traumhaft, das Wasser war zwar arschkalt, aber zur Abkühlung genau richtig. Schade ist hier nur immer, dass die Sonne schon um 5 oder 6 hinter den Bergen verschwindet.

In der ersten Woche waren wir alle in Turin, eine super Stadt, so richtig italienisch, mit dem typisch südländischen Flair. Dort werde ich mit Sicherheit nicht das letzte Mal gewesen sein.

Der einzige Haken an der ganzen Sache ist das Essen. Ja ich weiß, Italien, das Land des tollen Essens... Stimmt auch eigentlich, nur essen wir hier viel zu viel. Zweimal am Tag bekommt man hier 2 komplette Gänge vorgesetzt, Pasta natürlich als Vorspeiße und dann noch eine Runde Fleisch. Brot schmeckt grauenhaft und wirklich abwechslungsreich ist der ganze Spaß nicht.

Am Sonntag gehts dann weiter nach Sizilien, 22Std. Zugfahrt ab Turin. Glücklicherweise haben wir einen Schlafwagen und müssen auch nicht umsteigen, die Umsteigerei war bei der Herfahrt nämlich der größte Stress, weil jeder einen extrem schweren Koffer und mehrere Taschen dabei hatte.
Aber wir sind hier gut angekommen und werden hoffentlich auch gut nach Sizilien kommen.

Das wars fürs erste, ich halte euch auf dem Laufenden.

A presto, salutti a tutti
eure Laura